nächster Konzerttermin

Sa. 09.12.2017 - 18:00 Uhr

Regensburg Heuport

mit Sabine Rössert-Koye,
Alexander D. Koye,
Larissa Stejskal

 

 

Stimmtherapie

 

1. Definition

Eine Stimmtherapie wird notwendig, wenn z. B. die Stimme funktionell oder organisch gestört ist und eine physiologische Stimmgebung nicht mehr möglich ist. In der Stimmtherapie geht es um die Rehabilitation der beeinträchtigten oder erkrankten Stimme.


2. Mögliche Ursachen (z. B. organisch oder funktionell) und Formen

Entzündungen, Lähmungen, gut- und bösartige Neubildungen (z. B. Polypen, Knötchen, Granulome, Kehlkopfkrebs) sowie Kehlkopfverletzungen, Traumata, aber auch ein Reflux von Magensäure (Laryngitis gastrica) sind als organische Ursachen zu nennen. In seltenen Fällen liegen angeborene Fehlbildungen des Kehlkopfes vor. Stimmveränderungen treten auch bei hormonellen Veränderungen auf, z. B. in der Pubertät oder in der Menopause.


3. Stimmklang

Die Stimme klingt heiser, rau, belegt oder gepresst, wobei die Schleimhäute überreizt werden können. Die Stimme ist nicht mehr flexibel. Klangfarbe, Tonhöhe und Tonhaltedauer sowie Lautstärke können nur noch in geringem Umfang variiert werden. Beim Sprechen und Singen fühlt man sich unwohl, hat das Gefühl von Trockenheit oder "Kloß im Hals“ und räuspert sich zwanghaft, der Atemdruck steigt. Dieser erhöhte Stimmdruck (sog. subglottischer Anblasedruck) verstärkt die Stimmbeeinträchtigung weiter. Bei dauerhafter Überbeanspruchung durch falsches Sprechen oder Singen kann es zu Knötchenbildung (sog. Sänger- oder Schreiknötchen) auf den Schleimhäuten kommen. In schweren Fällen tritt eine Stimmlosigkeit (Aphonie) ein. Nicht selten muss eine operative Maßnahme, wie z. B. ein Stimmlippenstripping oder ein Unterspritzen der Stimmlippen, mit körpereigenem Gewebe (z. B. Hyaloron) erfolgen.


4. Stimmstatus

Zunächst sollte eine detaillierte Diagnostik durch einen Spezialisten erfolgen. Anschließend muss der Patient umfassend darüber beraten werden, wie der Verlauf der Therapie und wie das mögliche Resultat (prognostisch betrachtet) aussehen könnte. Die medizinische Diagnostik umfasst stets die Laryngoskopie (Endoskopie) des Kehlkopfes mit Stroboskopie oder Hochgeschwindigkeitskameras sowie den auditiven Stimmbefund für die Sprech- und Singstimme. Ergänzend kommen z. B. standardisierte Messverfahren hinzu wie die apparative Erfassung elektrophysiologischer Stimmparameter, die Messung der Grundfrequenz, Jitter, Shimmer, die Elektroglottographie und die Erstellung eines Stimmfeldes, die sogenannte Stimmfeldmessung.


5. Aufbauarbeit

Der Unterschied in der therapeutischen Basisarbeit an der Sprechstimme ist im Grunde nicht viel anders als die Arbeit mit der Gesangsstimme, da die Übebereiche wie Haltung, dreiteiliger Atemrhythmus, Stimmsitz, Resonanz, Artikulation, reflektorische Luftergänzung und Abspannen sich decken.

Jedoch gibt es zwischen der Sprechstimme und der Gesangsstimme einen ganz erheblichen Unterschied. Beim Sänger geht es vor allem um das Zusammenwirken von Stimmorgan und Musikalität gepaart mit Interpretation und sängerischer Intelligenz.

Der Sprecher oder Schauspieler hingegen muss sich mit Atmung, Artikulation und Deklamation auseinandersetzen. Darüber hinaus ist Schauspielunterricht und intensives Rollenstudium notwendig.

Viele Sänger und Schauspieler wissen zum Beispiel nicht, dass es eine Fehlfunktion der Stimme gibt, bzw. das Organ kollabieren und der Einhängemechanismus der Kehlkopfmuskulatur gestört sein kann. Viele wissen nicht, wohin sie sich dann wenden können und dass es zur Behandlung der Stimme Spezialisten braucht wie HNO-Ärzte, Phoniater, Logopäden und Stimmbildner.

Ein Logopäde, der sich mit "kranken“ Gesangs- oder Sprechstimmen beschäftigt, muss die Phonationstechnik beherrschen und sich mit den medizinischen Fachthemen gut auskennen. Außerdem benötigt der Logopäde ein großes Einfühlungsvermögen, um die sensible Arbeit am Stimmorgan aufzunehmen. Nur durch große psychische Motivation des Patienten und mit äußerstem Feingefühl seitens des Therapeuten gelingt ein Behandlungserfolg. Dabei ist ganz wichtig: Nicht durch Nichtstun, sondern nur durch einen aktiven, sorgfältigen und langsamen Wiederaufbau wird die Stimme verbessert oder geheilt.

Da Schauspieler und professionelle Sänger (wie z. B. Countertenor, Koloratursopran, Heldentenor, dramatischer Sopran usw.) jedoch zusätzlich einen qualitativ sehr hohen Anspruch an Stimmschönheit und Ausdruckskraft stellen, müssen Stimmsitz und Resonanz, Atemstütze und Qualität der Intonation mit einem Stimmbildner erneut geübt werden. Schon geringe Irritationen der einzelnen Aufgabenbereiche der Stimme genügen, um die Stimme und ihr gewohntes Klangbild zu stören.